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Horst Hoffmann (*12. März 1927 14. Januar 1992)

Bild: Unbekannt, stammt aus der Sammlung des Stammes WaldläuferBild: Unbekannt, stammt aus der Sammlung des Stammes Waldläufer

Horst Hoffmann wurde am 12. März 1927 in Jena/Thüringen geboren. Seine Eltern waren Margarete und Otto Hoffmann. Der Vater war als Landrat in Jena tätig. Zum damaligen Zeitpunkt wurde der Landrat nicht gewählt, sondern von der Regierung auf Lebenszeit ernannt. Horsts Vater war durchaus Anti-Nazi eingestellt und so waren Probleme für die Familie Hoffmann vorprogrammiert als die Nazis 1933 die Macht übernahmen. Als Landrat ließ Otto einmal einen jungen Mann verhaften, als dieser in der Nacht im trunkenen Zustand randalierend durch Jena zog. Unglücklicherweise war dieser junge Mann aber der Sohn eines bedeutenden lokalen Nazis. Dieser rächte sich und sorgte dafür, dass Otto und seine Familie nach Schleiz strafversetzt wurden. In Schleiz gehörte es zu Ottos Aufgaben die damals bereits bekannten wie beliebten Schleizer Autorennen zu organisieren. So kam Horst bereits in jungen Jahren in Kontakt mit den Schleizer Rennen. Diese Vorliebe hielt sein Leben lang, nach der Wende 1989 konnte er die Rennen noch zweimal besuchte.

Im Jahre 1944 wurde Horst zur Wehrmacht einberufen und kam zur Flak. Bei einem Luftangriff in den letzten Kriegstagen erlitt er eine schwere Verwundung. Nachdem er sich davon erholt hatte, zog es die Familie vor, die „Russenzone“ zu verlassen, da Horsts Vater als „freidenkender“ Akademiker hier Probleme hatte. Der Zufall wollte es, dass die Familie Hoffmann 1947 schließlich nach Grafenwöhr in Ostbayern kam. Hier gründete Horst 1950 zusammen mit Franz Wurdack den Pfadfinderstamm „Waldläufer“. 

Für Horst waren die Pfadfinder nicht nur ein Verein, es war für ihn mehr: Ein Ort, an dem Jugendliche unbeschwerte Stunden verleben konnten, Verantwortungsbewusstsein, Toleranz und Gemeinschaft lernen können und dabei auch immer Freude und Abenteuer finden.

Im Jahre 1957 besuchten Horst und die Waldläufer das Jubiläumsjamboree in England. Dabei lernte Horst den Engländer Fred Moore kennen.

Die Beiden verband neben den Pfadfindern auch so manche gemeinsame Erfahrung: Beide hatten im Zweiten Weltkrieg gedient, Horst wie bereits geschildert ab 1944 bei der Flak, Fred Moore ab 1941 bei der britischen Royal Navy. In der internationalen Pfadfinderbewegung sahen beide Männer wohl auch die Möglichkeit, ihren Beitrag zu leisten um künftigen Generationen einen europäischen Krieg zu ersparen. Beide Männer blieben ihr Leben lang Freunde. So wurde Fred auch der Taufpate von Horsts Sohn Horst junior. Zum Zeitpunkt der Festschriftgestaltung lebte Fred (Jahrgang 1917) noch, erfreute sich bester Gesundheit und betrieb in Teilzeit auch seine kleine Schusterwerkstatt noch. 

Horst beendete seine Ausbildung als Diplom-Sozialpädagoge mit einem Studium an der FH In Wilhelmshaven. Nachdem Horst zunächst für das „Youth Activity Program“ der US-Armee gearbeitet hatte, wechselte er in den 60er Jahren an das Jugendamt nach Bayreuth, an dem er bis zu seiner Pensionierung tätig war und dessen stellv. Leiter er wurde. In Bayreuth wurde er auch noch „ehefündig“ und heiratete 1966 Anita Wagner. Im Jahre 1971 zog er berufsbedingt nach Seybothenreuth bei Bayreuth, jedoch litt sein Engagement bei den Waldläufern darunter nicht. Egal ob Regen, Schnee, Hitze oder Kälte, Schul- oder Ferienzeit, zweimal pro Woche fuhr Horst die 33 Kilometer einfach von Seybothenreuth nach Grafenwöhr, um am Mittwoch den Stammesrat zu leiten und am Samstagnachmittag zur Gruppenstunde vor Ort sein zu können. Schon bald teilte auch seine Familie die Begeisterung für die Pfadfinder. Seine Frau Anita führte eine zeitlang unsere Meute, bevor sie 1978 in Grafenwöhr eine Pfadfinderinnengruppe („Albatros“) gründete, der auch Tochter Ute angehörte. Sohn Horst junior blieb fast 15 Jahre dem Stamm Waldläufer treu, zuletzt als Truppführer. Für alle, die es bereits vergessen haben oder noch nicht wussten: Horst war Mitbegründer des Pfadfinderbundes GRENZLAND, dessen erster Vorsitzender er von 1970 bis 1982 war. Danach arbeitete er als zweiter Vorsitzender noch bis 1988 in der Führung mit.

Auch auf anderer Ebene war Horst, dessen großes Hobby die Jugendarbeit war, für seine Pfadfinder tätig: Von 1963 bis 1972 war er erster Vorsitzender des Kreisjugendringes Neustadt und auch in den Jahren danach vertrat er die Pfadfinder in diesem Gremium. Letztendlich kannte auch der Stadtjugendring von Grafenwöhr Horst als engagiertes und aktives Mitglied.

Im Alter von 61 Jahren erhielt Horst am 20. Mai 1988 als Anerkennung für seine jahrzehntelange Tätigkeit für die Jugendarbeit und die Pfadfinder die Bundesverdienstmedaille von Bundespräsident Richard von Weizsäcker überreicht. Für Horst, der nie mit einer öffentlichen Anerkennung gerechnet hatte, war dies eine riesige und angenehme Überraschung, würdigte sie doch nicht nur sein Lebenswerk, sondern auch die Pfadfinder. 

Ein anderes großes Hobby von Horst war es, „Freizeitkapitän“ zu spielen. In England (wo man keinen Bootsführerschein benötigt) war der Stamm mehrmals auf Bootstouren. Dabei mieteten wir uns 10-Meter Motoryachten und tuckerten in den Norfolk-Broads. Im Jahre 1986 führte uns eine weitere Bootstour in die Niederlande (auch hier benötigt man keinen Bootsführerschein), wo wir in den friesischen Kanälen „gründelten“. Horst war davon derart begeistert, dass er mit seiner Familie in den folgenden Jahren mehrmals zum Boot-fahren in die Niederlande reiste. 

Nachdem Horst bis auf eine kleine Unterbrechung von 1952 bis 1954 unser Stammesführer gewesen war, (in dieser Zeit übernahm Horst Gemrich das Amt) übergab er das Amt im November 1991 an Heribert Raß, blieb dem Stamm aber als Stellv. Stammesführer treu.

Bild: Bernd Wohlgut, 2010Bild: Bernd Wohlgut, 2010

Völlig überraschend verstarb Horst am 14. Januar 1992 an Herz- und Kreislaufversagen. Sechs Pfadfinderführer der Waldläufer trugen den Sarg, als Horst am 17. Januar 1992 in Birk bei Seybothenreuth zu Grabe getragen wurde. 

Auf dem Bild nur schwer erkennbar ist ein Kreis an der rechten oberen Ecke des Grabsteins. Bei den Pfadfindern steht dieses Symbol für „Spielende – bin nach Hause gegangen“